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Familie

Wer kümmert sich um meine Kinder, wenn uns etwas passiert?

Ohne Sorgerechtsverfügung entscheidet ein Gericht, das deine Familie nicht kennt. Mit ihr entscheidest du.

Constantin Batton

Vorstand & Gründer

7 Min Lesezeit

Kinderhand umgreift den Finger eines Erwachsenen auf einer hellen Wolldecke

Das ist der Gedanke, den Eltern am schnellsten wegschieben. Verständlich. Und trotzdem ist es die eine halbe Stunde, die im schlimmsten Fall am meisten verändert.

Wenn beide sorgeberechtigten Elternteile versterben oder dauerhaft ausfallen, endet die elterliche Sorge. Das Kind bekommt einen Vormund. Wer das wird, entscheidet das Familiengericht. Es prüft das Kindeswohl, hört das Jugendamt an und sucht im Umfeld. Was es nicht kennt, sind eure Absprachen am Küchentisch.

Was eine Sorgerechtsverfügung ist

Es ist die schriftliche Benennung einer Person, die im Ernstfall die Vormundschaft übernehmen soll. Sie ist kein Vertrag und kein Antrag, sondern eine einseitige Erklärung der Eltern. Rechtlich ist sie eine testamentarische Verfügung, und deshalb gilt für sie die Testamentsform.

Warum das so ist, und wie ein formwirksames handschriftliches Dokument aussieht, erklären wir im Beitrag Testament selbst schreiben.

Was hineingehört

  1. Die Wunschperson, mit vollem Namen, Geburtsdatum und Anschrift. „Meine Schwester" reicht nicht, wenn es zwei gibt.
  2. Eine Ersatzperson. Der erste Wunsch kann im Ernstfall selbst verhindert sein.
  3. Die Begründung. Warum diese Person? Bestehende Bindung, Nähe zum Wohnort, ähnliche Erziehungsvorstellungen. Das Gericht liest das.
  4. Der Ausschluss. Du darfst ausdrücklich benennen, wer die Vormundschaft nicht bekommen soll. Auch daran ist das Gericht gebunden, soweit das Kindeswohl nicht entgegensteht.
  5. Wünsche zur Erziehung. Sprache, Schule, Religion, Kontakt zu Großeltern. Rechtlich unverbindlich, praktisch wertvoll.
  6. Die Vermögensfrage. Wer verwaltet, was das Kind erbt? Du kannst die Vermögenssorge einer anderen Person übertragen als die Personensorge.

Vier Situationen, die Eltern übersehen

Getrennte Eltern

Stirbt ein Elternteil mit gemeinsamem Sorgerecht, bekommt in der Regel der andere Elternteil die alleinige Sorge. Eine Sorgerechtsverfügung kann daran wenig ändern. Sie greift für den Fall, dass beide ausfallen, und sie kann festhalten, warum du dir für diesen Fall eine bestimmte Person wünschst.

Patchwork

Der Stiefvater, der das Kind seit acht Jahren großzieht, hat ohne Adoption kein Sorgerecht und wird ohne Benennung nicht automatisch Vormund. Wenn er es sein soll, muss es aufgeschrieben sein.

Alleinerziehend mit alleinigem Sorgerecht

Hier ist die Verfügung besonders wichtig, weil kein zweiter sorgeberechtigter Elternteil einspringt. Ohne Benennung sucht das Gericht komplett neu.

Die Übergangszeit

Bis das Gericht entscheidet, kann das Jugendamt vorläufig die Vormundschaft übernehmen und das Kind in Obhut nehmen. Eine bekannte Benennung verkürzt diese Phase erheblich, weil das Gericht sofort eine Richtung hat.

Sprich vorher mit der Person

Eine Benennung ohne Gespräch ist eine Zumutung. Niemand kann gezwungen werden, eine Vormundschaft zu übernehmen. Frag vorher, ehrlich und mit der Möglichkeit, Nein zu sagen. Und frag noch einmal, wenn sich im Leben der Person etwas ändert.

Wo sie liegen muss

Im Ernstfall muss sie schnell auftauchen. Sinnvoll: das Original beim Nachlassgericht in amtliche Verwahrung geben, Kopien bei der benannten Person und bei einer weiteren Vertrauensperson. Ein Dokument, das nur du kennst, ist im Ernstfall keins.

Häufige Fragen

Weitgehend ja. Nach § 1782 BGB ist das Familiengericht an die Benennung der Eltern gebunden. Abweichen darf es nur, wenn die benannte Person ungeeignet ist oder das Kindeswohl gefährdet wäre.

Dieser Beitrag erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Unsere Vorlagen werden von Fachanwältinnen und Fachanwälten entwickelt und laufend geprüft. Stand der Angaben: Juli 2026.

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